Ödipus

Gefährlich blickt die Sphinx von ihrem Hügel herab auf das kleine Mädchen, das sich verlaufen hat. „Zuerst geht’s auf vier Beinen, danach nur noch auf zweien. Dann sind drei Beine nötig. Was kann denn das nur sein?“ Dieses Rätsel gibt die Sphinx allen auf, die ihren Weg vor den Toren der Stadt Theben kreuzen. Das kleine Mädchen und auch ein Schäfer, auf der Suche nach einem entlaufenen Schaf, können das Rätsel nicht lösen und werden von der Sphinx gefressen. Erst Ödipus kann das Rätsel lösen und die Sphinx vernichten.

Ödipus und die Sphinx heißt das Diafigurentheater nach der antiken Sage, dass am letzten Freitag im Roemersaal des Roemer- und Pelizaeus Museums (RPM) uraufgeführt wurde. Das Theater ist Teil des Projektes b.kunst. b.kunst wird zum zweiten Mal nach 2011 von der Heimstatt Röderhof durchgeführt. Verschiedene Aktionen und Ausstellungen, auch im RPM, haben in den letzten Wochen und Monaten Begegnungen im künstlerischen Dialog zwischen Menschen mit und ohne geistige Beeinträchtigung ermöglicht.

Die Diafiguren, die vor dem leuchtenden Hintergrund eine besondere Präsenz entwickeln, sind nach Entwürfen von Maximilian K. von Claude Laurion gestaltet worden. Maximilian malt und zeichnet in der Malwerkstatt von Brigitte Dammeier an der St.-Franziskus-Schule in der Heimstatt Röderhof.
Claude Laurion konzipierte auch Handlung und Musik. So wird die Handlung teilweise in einem selbstgetexteten Lied erzählt, teilweise wechselnd gesprochen, immer wieder von Zwischenmusiken eingerahmt.

Bevor Ödipus dann von den Thebanern auf den Thron gesetzt wird, wird das Rätsel aber auch aufgelöst: „Der Mensch in seinem Lebenslauf kann nur die Lösung sein“, rufen die Musiker des Schülerorchesters der St.-Franziskus-Schule und beginnen zu spielen.

Leise, mit Brummkreisel und Rührtrommel beginnt die Babymusik, baut sich in hellen Klängen weiter auf. Claude Laurion soliert dazu auf der Flöte. Zu den Klängen aus den vielfältigen Instrumenten krabbelt die Babyfigur auf allen Vieren über die Bühne. Zum Rhythmus verschiedener Trommeln kommt der erwachsene Mensch daher. Die Zuschauer spüren den Rhythmus der Arbeitswelt, das schnellere Leben des Erwachsenen. Langsamer und ruhig geht der alte Mensch, auf einen Stock gestützt, begleitet von tiefen Klängen über die Bühne.

Konzentriert achten die Musiker auf Martin Hartje, der die Einsätze anzeigt. Ein Jahr haben sie für diesen Auftritt geübt, jetzt, nachdem der letzte Glockenspielton verklungen ist, ernten sie frenetischen Applaus. Die Zuschauer sind begeistert. Das Zusammenspiel von Musik und Figurentheater ist gelungen. Weitere Aufführungen von Ödipus und die Sphinx werden in der Zeitung bekannt gegeben.